Heute stellten die Christdemokraten der Presse ihre Internetkampagne vor. Die Wahlkampfportale inklusive Service-Seiten mit zielgruppenspezifische Ansprache von Jung- und Erstwählern, Aussiedlern, Frauen, Senioren sowie Auslanddeutschen und Mitgliedernetz wurden präsentiert. Themen und Techniken im Netz präsentierte Generalsekretär Volker Kauder im Konrad-Adenauer-Haus höchst persönlich.
"Ja, das Internet ist Chefsache", hatte der CDU Online-Chef Dr. Stefan Hennewig vorab versichert. Hatte doch Genosse Kauder kurz nach seiner Amtsübernahme sogar einen Chat im Mitgliedernet durchgeführt... Aber nach der heutigen Pressekonferenz kann man dies noch nicht so recht glauben. Eher gewinnt die Vermutung wieder Oberhand, dass die Online-Kommunikation auch im diesjährigen Wahlkampf wohl kaum aus ihrem Nischendasein kommen werde. Denn, nur zirka ein Prozent des CDU-Wahlkampf-Etats (also 180.000 Euro) werden in die Internet-Tools sowie die Online-Wahlkampfkampagnen der CDU investiert. Nur sage und schreibe drei Festangestellte kümmern sich um die Pflege der diversen Wahlkampf-Tools, wie zum Beispiel: die neu gestaltete Portalseite
www.cdu.de mit wahlkampfrelevanten Themen, die Rapid Response-Seite zur Gegneranalyse
www.wahlfakten.de mit Argumentationshilfen gegen Behauptungen des politischen Gegners sowie die heute ins Netz gestellte Internetseite
www.leere-versprechen.de. Auf diesem Tool kann sich der geneigte Nutzer übrigens O-Töne von Gerhard Schröder anno 1998 anhören.
Eigentlich wollten der CDU-Generalsekretär Volker Kauder, Sprecher Claus Zemke und Online-Chef Dr. Stefan Hennewig während der PK über den Internet-Wahlkampf ihrer Partei reden. Die CDU wollte dazu auch einiges loswerden: 4,2 Millionen Page Impressions wurden auf ihrem Hauptportal im Juli registriert, seit 14. Juni 2005 hat die CDU mit cdunet.de das modernste Mitgliedernetz Deutschlands aller Parteien, welches mit dem SMS-Dienst für die fast 600.000 Parteimitglieder aufwarten kann und laut Kauder das bedeutenste Portal für die interne Wahlkampfsteuerung sei. Die Kampagnenseiten werden vornehmlich zur Mobiliserung von Sympathisanten über das Netz genutzt und täglich mit wahlkampfrelevanten Informationen bestückt.
"Weblogs stehen bei uns nicht hoch im Kurs", behauptet Kauder. Auf Blogging setze die CDU deshalb 2005 nicht. Vieles sei nicht authentisch, Spitzenkandidaten hätten in einem kurzen Wahlkampf keine Zeit, auch noch zu bloggen. Auch zur Wahl inszenierte Online-Tagebücher, die von Mitarbeitern geschrieben werden, seien die falsche Lösung. Die meisten der anwesenden Journalisten interessierten sich auch nicht sonderlich für das Thema Wahlweblogs, E-Mails oder Online-Chats, sondern nur für eines: alles rund um das TV-Duell zur Bundestagswahl.
Sowieso stelle Kauder bei einem Vergleich der CDU-Seiten mit den Internet-Aktivitäten der SPD fest: "Manchmal ist weniger mehr!"
NACHTRAG, gefunden am 2. August 2005 auf
www.cducsu.de:
Katherina Reiche, Vorsitzende der Arbeitsgruppe Bildung und Forschung, wirkt beim Wahlblog von AOL mit. Ihr AOL-Tagebuch startete ohne Kommentare und Trackback-Funktion am Montag mit einem persönlichen Bericht über einen Besuch beim Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk in Potsdam. Hier sind alle Fraktionen des Bundestages dabei, die PDS fehlt. Das AOL-Tagebuch von Katherina Reiche bietet auch Bilder zum Eintrag. Die anderen Blogs verzichten bislang darauf... Letzteres stimmt auch nicht und nach dieser Meldung wird deutlich: Bei der CDU weiß die rechte Hand nicht, was die linke Hand tut und umgekehrt. Die Genossen machen halt ihr eigenes Ding - mit jeglichen modernen Wahlkampftools!
