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Duell der Kanzlerkandidaten?

Am Sonntag war es also so weit. Im schönsten Einheits-TV präsentierten gleich vier TV-Sender das sogenannte Duell der beiden Kanzlerkandidaten. Gestern habe ich die Auswertung des Duells in den Medien verfolgt. Es wurde viel darüber gesprochen, wer "gewonnen" hat, wer die besseren Argumente vortrug und wer sympathischer auftrat - auch im Wahlblog05.

Damit wurde jedoch lediglich eine mediale Fiktion aufrechterhalten. Kurz: ist nach dem 18. September überhaupt eine Situation denkbar, in der Schröder noch einmal Kanzler werden könnte?

Rot-grün hat sieben Jahre gezeigt, was sie können - es hat nicht gereicht, unser Land auf Wachstumskurs zu bringen. Die Wähler sind enttäuscht über die vielen gebrochenen Wahlversprechen; Rot/grün wird keine neue Mehrheit erhalten. Es wird also keinen rot-grünen Kanzler Schröder geben.

Was ist mit Rot-rot-grün? Ich halte es persönlich für unwahrscheinlich, daß sich diese Konstellation zusammenraufen wird. Ich kann mir einfach keinen Sozialdemokraten vorstellen, der sich wieder auf Lafontaine verlassen würde - außer er leidet unter schwerer Amnesie. Die Vergangenheit hat gezeigt: wer sich auf Lafontaine verläßt, ist bald verlassen. Gleiches gilt natürlich auch für Gregor Gysi - als Wirtschaftssenator für Berlin hat er schnell das Handtuch geworfen. Auch wenn es unwahrscheinlich ist, was hieße Rot-rot-grün: auf keinen Fall würde Schröder erneut Kanzler. Die Ansätze seine Reformpolitik beißen sich ja schon heute mit dem SPD-Wahlprogramm: Teilrücknahme von Hartz IV, Reichensteuer, Vermögenssteuer, keine wettbewerbsfähige Unternehmensbesteuerung etc. pp. Mischt man das SPD-Wahlprogramm mit den Vorstellungen der Grünen und der Linkspartei.PDS, so kommt ein Regierungsprogramm raus, das die Modernisierung Deutschlands verneint. Die seligen 70er Jahre würden fröhliche Urstände feiern. Bei aller Machtbesessenheit von Schröder - hierzu würde selbst er sich nicht hergeben. Also, kein Kanzler Schröder durch Rot-rot-grün.

Was wäre in einer großen Koalition? Hier wäre die SPD Juniorpartner. Ministerposten ja, Kanzler nein. Schröder wird nicht mit den Stimmen der CDU/CSU zum Kanzler gewählt. Merkel würde diese Position für sich beanspruchen, Schröder würde durch seine eigene Partei ins Abseits gedrängt werden. Er würde also keine Rolle mehr spielen. In einer großen Koalition wird es keinen Kanzler Schröder geben.

Und wenn die SPD größte Oppositionspartei wird? Schröder wird keine Opposition mehr anführen - dafür wäre er sich zu schade und die SPD-Fraktion würde ihn nicht akzeptieren, denn zu viele mußten sich für seine Agenda-Politik verbiegen. Schröder ist ein Mann der Vergangenheit, dem die Gegenwart noch ein paar Auftritte beschert. Er ist auf Abschiedstour durch Deutschland.

Nach der Wahl wird Schröder in keiner denkbaren Konstellation mehr eine Rolle spielen. Wer SPD wegen Schröder wählt, wird um seine Stimme betrogen. Die Zeit der Schröder-SPD ist vorbei. Um so überraschender ist, daß er in den Medien immer noch Kanzlerkandidat genannt wird. Schröder kandidiert für nichts, er kann nichts mehr gewinnen.

Die Wahl entscheidet sich an den kleinen Parteien. Ist die FDP stark, kommt es zu einer Koalition der Modernisierer - niedrige, einfache Steuern, Abbau der Bürokratie, tragfähige, faire Anpassung der sozialen Sicherung und Vorfahrt für Arbeit. Wird die FDP nicht stark genug, d.h. schneiden Linkspartei und Grüne gut ab, kommt es zur großen Koalition der Besitzstandswahrer. Durch die Verhandlungen im Vermittlungsausschuß in den letzten Jahren kann man lernen, was so etwas bedeutet: Stillstand, Trippelschritte, kleinster gemeinsamer Nenner, Selbstblockade. Die kleinen Parteien entscheiden die Wahl - für oder gegen die faire Modernisierung Deutschlands.
markusk (Gast) - 6. Sep, 14:49

18% Syndrom?

9. August Süddeutsche (Kommentar aus Gelübde fürs Volk, Geschwätz von Gestern)

Die FDP sei "nicht das Schoßhündchen der Union, sondern eine eigenständige Partei", verspricht Generalsekretär Dirk Niebel. Bemerkbar macht sich dass daran, dass die FDP die Mehrwertsteuererhöhung nicht mitmachen will. Sagt Niebel.

In 16 Jahren Schwarz-Gelb unter Helmut Kohl hat sich mehr als deutlich gezeigt, dass der Hund mit dem Schwanz wedelt und nicht umgekehrt. Sollten Union und FDP wieder koalieren können, wird der FDP-Protest gegen 18 Prozent Mehrwertsteuer bald nur noch Schall und Rauch sein.

TC Stahl - 6. Sep, 15:08

Wir sehen uns wieder...

Was für markige Worte. Ich mache Ihnen, Herr Otto, einen Vorschlag: Zahlen Sie 100.000 Euro Politikkaution auf ein Treuhänderkonto ein. Sie bekommen das Geld zurück, wenn alle Wahlversprechen der künftigen Regierungsparteien umgesetzt worden sind und in Deutschland die Arbeitslosen nur noch in Gruselgeschichten für Kinder vorkommen. Einverstanden?

Das halte ich übrigens für eine gute Idee im allgemeinen. Wenn schon nicht ein ständiges Souveränitätsrecht der Bürger besteht, so sollten die Parteien wenigstens über den Geldbeutel in die Pflicht(!) genommen werden. Also: Jede Regierungskoalition hat einige Millionen Euro an Kaution einzuzahlen. Diese kann sie dann im nächsten Wahlkampf einsetzen - sofern sie sie zurück bekommt.

blogschocker (Gast) - 6. Sep, 16:02

Merkel macht mir Angst

Sie ist nicht nur die unnatürlichste Frau, die mir je begegnet ist, sondern außerdem die größte Intrigantin westlich des Ural.
Und selbst ihre Redenschreiber haben ihr Handwerk nicht gelernt, sondern klauen beim schlimmsten US-Präsidenten vor und nach Bush I+II...

blogschocker

Nickelklaus - 6. Sep, 16:38

Merkel lügt wenigstens nicht - Schröder ist großzügiger in Versprechungen

Was Sie, Herr Blogschocker , Merkel vorwerfen, dürfte doch einem Blogschocker keine Angst machen.
"Unnatürlichste Frau" ist lediglich eine unbewiesene Behauptung, damit kann man aber auch nichts anfangen.
"Die größte Intrigantin westlich des Urals", mein Gott, Sie überhöhen Merkel als Politikerin geradezu im positiven Sinne als schlaue Füchsin zum Fuchs Adenauer.
Tja, und was die Schlussaussage Merkels beim Rededuell mit Schröder betrifft, hier gibt sie offen zu , sich hat inspirieren zu lassen, weil es ihr in ihrer Lage allzu zutreffend erschien. Ehrlich ist sie schon.
Wat jut is - is jut, warum darauf verzichten?
Möchte gar nicht wissen, woher Schröder seine Beratungen und Kopien hernimmt. Alles kann auch nicht aus seiner Feder geflossen sein.
Ich vermute jedoch, die Ursache Ihrer Ängste beruht in der deutlich aufkommenden Stärke von Merkel.
Das könnte an Thatcher erinnern?
Mal ehrlich? Davor haben Sie die Angst !

http://zukunft.isthier.de
markusk (Gast) - 6. Sep, 20:15

Bringt uns der Thatcherismus weiter?

hierzu ein ganz interessanter Link der Friedrich Ebert Stiftung:

http://library.fes.de/fulltext/stabsabteilung/00843.htm#E9E3

zum Thema Kirchhof und Flat Tax ein schöner Bericht,
(aus einer links-liberalen Zeitung)

http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/nachrichten/?cnt=721936

Es ist schön, so viele Meinungen zu kennen.
Student_MS (Gast) - 7. Sep, 13:59

Duell Kirchof - Eichel

Interessant wäre - wo die ganze Sache Kirchhoff doch so in den Vordergründ rückt - ein TV-Duell Kirchhoff/Eichel, dass sollt sich doch auch ganz kurzfristig noch organisieren lassen.

Ich glaube, dass dabei inhaltlich mehr rumkommen würde als die Phrasen des Kandidaten-Duells ...

Keine Zustimmung? Könnte man mal als Wähler fordern ... sobald das vom ersten Medium gefordert wird, müssen die sich ja äußern.

Der "Professor aus Heidelberg" gegen den "Lehrer aus Kassel" ... wäre ja auch noch ein bildungspolitischer Aspekt! Wahrscheinlich wird sich da aber die SPD weigern, Eichel ist ja durchaus ein "Wackelkandidat" ...

Nickelklaus - 7. Sep, 14:58

Duell Kirchhof gegen Eichel

Die beiden hatten sich vor einiger Zeit bereits im Fernsehen in einem kleineren Duell in der Wolle. Nichts Sensationelles allerdings.
Die Zuschauer können sich auf Zahlen, Abzügen, Zulagen, Ausgleich nichts Gescheites vorstellen.
Auch mit dem Begriff der sozialen Gerechtigkeit wird bei solchen Finanzierungsmodellen dermaßen wahltaktisch umgegangen, das einem nur noch der Frust befällt.

Viel besser halte ich z.B. Beispiele anzuführen aus Ländern, die bereits die Flattax eingeführt haben. Darum
führe ich jetzt eines davon vor:

Beispiel: Slowakei

Unter Finanzminister Ivan Mikloš führte 2004 die Slowakei die Einfachsteuer zu einem einheitlichen Steuersatz von 19 % ein. Steuerprivilegien wurden im Gegenzug gestrichen, die Mehrwertsteuer stieg von 10 auf 19 %. Entgegen vieler Prognosen sank das Steueraufkommen in der Einkommensteuer nur geringfügig. Die erwarteten Einnahmen für 2005 werden voraussichtlich deutlich höher ausfallen als für 2003.

Durch die Einfachsteuer wurden alle slowakischen Steuerzahler entlastet: Die Bezieher niedriger Einkommen über erhöhte Steuerfreibeträge, die höheren Einkommen über die gesenkten Steuersätze. Relativ gesehen wurden die Bezieher mittlerer Einkommen im ersten Jahr am schwächsten entlastet, jedoch auch sie.

Der Vorwurf von Kritikern, das slowakische System sei ungerecht, weil es nicht progressiv verlaufe, erwies sich als falsch. Die Steuerfreibeträge sorgten für einen progressiven Verlauf bei niedrigen Einkommen.

Auch die Befürchtung, die Erhöhung der Mehrwertsteuer könne den Konsum dämpfen, erwies sich als unbegründet. Das allgemeine Preisniveau stieg mit der höheren Mehrwertsteuer nur um 1,9 %. Zudem ist die höhere Mehrwertsteuer durch die erhöhten Steuerfreibeträge und weitere Preisvorteile durch eine weitere Marktliberalisierung bei weitem kompensiert. So sind beispielsweise die Gaspreise durch die Liberalisierung um 35 % gesunken.

Die Einfachsteuer ließ sich in der Slowakei nur einführen, weil ein hoher politischer Wille dazu vorhanden war und die Reformen am Anfang der Legislaturperiode eingeleitet wurden. Ivan Mikloš geht davon aus, dass sich eine Einfachsteuer nicht in der zweiten Hälfte einer Legislaturperiode einführen lasse, sondern nur am Anfang.

http://de.wikipedia.org/wiki/Flat_Tax
------------------------------------------------------

Da kommen ehemalige kommunistische Systeme auf solch glorreiche Ideen, setzen diese konsequent um
und schon beginnt der Laden richtig zu laufen.
Den Angstmachern vor der Flattax muss der Mund mit realistischen Gegenargumenten gestopft werden.

http://reformen.isthier.de
Thomas Schrepfermann (Gast) - 7. Sep, 15:15

Das TV-Duell ist ein Witz!

Wenn sich diese beschießen TV-Duell ansieht. Es natürlich klar das Kastrophen-Schröder dieses Duell gewinnt. Er kann das einfach, weil ein es guter Schauspieler und Märchenerzähler ist. Aber ich denke das dieses TV-Duell keinerlei Auswirkungen auf die Wahl haben wird.

Auch wenn es die lieber Umfragen ja nicht meinen! Wenn man überlegt, wie tief der Schröder das Land in den Keller gefahren hat. Hoch Arbeitslosigkeit und null Wachstum. Steuervergünstigung die Steuererhöhung bedeuten oder ganzen andere Mist.

So schlimm war Kohl in seinen ganzen 16 Jahren Amtszeit nicht. Kohl hat zwar grundlegend nichts geändernt, aber zunimmst es stabil gehalten. So das Deutschland nicht im Keller landet.

Die Merkel ist zwar auch das goldene von Ei. Aber ich vermutet, das viele Bürger die CDU wählen werden. Auch wenn nur vielleicht wenige Bürger daran glauben, das sich was in Deutschland ändert.

Aber eins ist sicher, Schröder ist Geschichte. Auch wenn es als Sieger aus irgendwelchen blöden TV-Duells hervor geht.

thomas1980@livemy.de

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