Christian Hochhuth (iDemokratie.de) Mathias Fischer (iDemokratie.de) Britta Schemel (iDemokratie.de) Olaf Nitz (iDemokratie.de) Prof. Klaus Staeck (Aktion für mehr Demokratie) Dr. Christoph Bieber (ZMI) Dr. Jan Schmidt (Universität Bamberg) Mario Münster (Johanssen + Kretschmer)    
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Ach Du, mein lieber Infratest

Da hast Du doch eine Blitzumfrage nach dem TV-Duell gemacht. Schön, nun wissen wir, dass der Schröder für 49% der Befragten überzeugender war als die Merkel. Auch hatte für die Befragten der Schröder die besseren Argumente, außer bei Arbeit und Familie.

Und für die Hälfte der Befragten hat das großartige Duell gar nichts gebracht. Haben diese überhaupt den Argumenten, beziehungsweise den Fachsimpeleien folgen können? Ich glaube nicht, aber entscheiden durften sie trotzdem, wer die besseren Argumente hat. Klar, es geht nicht um die Inhalte. Lieber nicht als dumm gelten und so antworten wie alle anderen auch. Hat man ja schon in einer der vielen Umfragen gelesen. Meiner Meinung nach sind die Umfragen für den Papierkorb.

Aber nein, in unserer modernen Zeit gehören die Umfragen zum politischen Geschäft. Sicherlich ist Geschäft das richtige Wort. Nicht nur die Umfrageforscher, auch die Politikberater müssen sich unentbehrlich machen, um ihr Geld zu verdienen. Die Götter in Krawatte und Fliege wissen unfehlbar was tun sei. Unfehlbar ist dabei auch der Zwang zum Standardpolitiker: Die letzten Umfragen in der Hemdtasche, die Wahlkampfparolen auswendig gelernt und das Lächeln beim Medienprofi geschult. Wer noch seine eigenen Überzeugungen vertritt, gilt als Verlierer. Ohne entsprechende Umfrageergebnisse wird man eh nicht vom Parteivorstand nominiert.

Also, lieber Infratest, höre nicht auf mit deinen Umfragen, damit die Wähler wissen, wen sie wählen können.
TC Stahl - 5. Sep, 23:33

Auf die Sympathie kommt es an

Es ist in unserem demokratischen System nicht mehr wichtig, welches Programm oder welche Ideen ein Politiker hat. Denn politische Entscheidungen werden weder im Bundestag noch von der Regierung getätigt: Sie finden vielmehr im sogenannten politischen Netzwerk statt. So ist die einzige sichere Entscheidung, die der Wähler treffen kann, die über den zukünftigen Kanzler und seine Minister.
Genauer und mehr dazu hier: http://www.tiuz.de/viewtopic.php?t=54

Mathias Fischer - 6. Sep, 09:18

Pluralismus

Lieber TC Stahl,

die Idee des Pluralismus ist es gerade, das alle betroffenen Gruppen ein Mitsprecherecht in der Demokratie haben. Dass einige Gruppen wie Gewerkschaften und Wirtschaftsverbände mehr Einfluss haben als alleinerziehende Mütter ist ein Nachteil dieser Idee.

Meine Kritik bezieht sich eher auf eine zunehmende Professionalisierung des politischen Systems. Dabei verschieben sich die Ziele der Politik in Richtung Machtgewinn, weil dies das Gebiet ist, in welchem sich die Polit-Profis auskennen. Schön für die Medien, die vom Wahlkampf dann wie von einem Boxkampf berichten können: Wer machte am meisten Punkte? Ich fand nach dem TV-Duell konnte man dies wieder einmal wunderbar beobachten.
Student_MS (Gast) - 6. Sep, 11:15

Wichtige Frage im Duell nicht gestellt: Wer kommt nach Schröder?

Eine ganz wichtige Frage wird für mich momentan völlig - im TV-Duell wie auch in der journalistischen Berichterstattung - ausgeblendet: Wer kommt eigentlich nach Schröder?

Ohne Tendenzen geben zu wollen: Wenn es für die SPD super läuft, schließt sie noch ein paar Prozent auf, und "dank der Linkspartei" muss es zu einer großen Kolaition kommen ... dass rot-grün es alleine schafft, scheint unrealistisch, und diese Überlegungen werden (allen Kampfesbekundungen zum Trotze) doch auch in der SPD angekommen sein. Natürlich wird es nicht nach außen getragen, es ist ja kein SPD-, sondern ein Schröder-Wahlkampf (real natürlich anders) ... aber: wer kommt nach Schröder?

Clement als Vizekanzler (im Falle einer großen Kolaition)? Oder Müntefering? Oder wieder ein Niedersachse - der Gabriel taucht ja schon mal überall auf ... Könnt ihr euch ein Bild machen, wie die Reihen hinter Schröder geordnet sind?

Irgendwie ist es doch eine paradoxe Situation ... Schröder kämpft, Lafo kämpft, beide explizit nicht miteinander, aber in der Wirkung dafür, dass es nicht für schwarz-gelb reicht ... wem bietet dass denn Perspektive, d.h. wer in der SPD profitiert danach davon?

Für mich eine wirklich wichtige Frage (die Schröder verständlicherweise aus dem TV-Duell heraushielt - warum Merkel da nicht reinschlägt, wundert mich) ... jeder, der sein Kreuz bei der SPD macht, möchte ja eine Perspektive sehen, und scheinbar ist völlig offen, ob nach Schröder links (mit Münte) oder rechts (Clement et al.) die Oberhand gewinnen ... oder schliddert auch die SPD in eine CDU-nach-Kohl-Depri?

JC (Gast) - 6. Sep, 11:26

Umfragen für die Mülltonne

Nun ja, welche Argumente hat Schröder denn gebracht? Dass Deutschland nicht so schlecht ist, wie die böse Frau Merkel die schlechte Stimmung im Land für sich zu instrumentalisieren versucht - das hat er ihr vorgeworfen. Ist doch lächerlich und ein Schlag ins Gesicht von 5 Millionen Arbeitslosen!

Wir sollten uns viel lieber fragen, warum wir in 2 Wochen überhaupt wählen... Nämlich, weil Herr Schröder glaubte, keine Mehrheit mehr für seine Politik in Parlament und Volk zu haben. Komisch, dass diese Blitz-Umfragen dann genau das Gegenteil sagen. Wer kann beurteilen, ob Schröder kompetenter ist? Wenn Schröder, wie die ARD herausgefunden hat, überzeugender war, dann frage ich mich, warum er die Menschen dann in den letzten drei Jahren nicht überzeugen konnte. Ich sah in seinen Aussagen wenig Überzeugendes, wenige Argumente für die Zukunft. Oder die Außenpolitik: 71% Zustimmung? Wo denn? Schröder hat die Beziehung Deutschlands gegenüber Amerika erkalten lassen (siehe die Pressemitteilung des Herrn Trittin) und reklamiert einen utopischen Sicherheitsratssitz für Deutschland. Wie wäre es mit einem solchen Sitz für ganz Europa? Und wenn von den Roten auf den Aussagen zum militärischen Irak- oder Iran-Engagement herumgeritten wird - kein CDU-Politiker hat meines Wissens nach gesagt, dass die CDU Truppen ins Morgenland schicken würde.

Wenn alles so toll war in den sieben Jahren rot-grün, warum wählen wir dann überhaupt schon jetzt? Komisch ist es schon, dass die SPD sich in letzter Zeit am liebsten vom Medienkanzler entledigen wollte! Aber jetzt, da es brenzlig wird, scharen sie sich wieder um ihn - siehe ARD-Umfrage: 94% Unterstüzung im eigenen Lager. Was ist, wenn Schröder doch wiedergewählt werden würde? Geht das dann von vorne los? Mit ehrlicher Politik - wie es Angela Merkel für das CDU-Wahlprogramm feststellt, in dem sie, wie sie sagt, vorher sagt, was sie nach der Wahl machen will, - hat das nichts zu tun...

Was hat dieser Mann so Tolles an sich, außer dem Medienlächeln und der Liebe zu seiner Frau? Ist es wirklich das, was die SPD-Anhänger wieder zur Rückkehr zu ihrem Patriarchen veranlasst - siehe auch das gewerkschafts- und klientelfreundliche Wahlprogramm. Oder ist es die Hoffnung auf weitere vier Jahre Machterhalt, weil man dann sowohl im Bund zumindest 4 Jahre als auch in den Ländern in den nächsten 2 Jahren schon mal nichts zu sagen hätte?

Mathias Fischer - 7. Sep, 09:14

@JC

Also, real gesehen sind es mehr als 5 Mio. Arbeitslose, und das nicht erst seit der Regierung Schröder. Die heutigen Zahlen haben eine ganz andere Berechnungsgrundlage als zu Kohl Zeiten. Richtig aber ist, Schröder hat es nicht geschafft die Arbeitslosenzahlen zu senken, erhöht haben sie sich aber auch nicht signifikant.

Warum die Anhänger zu Schröder zurückkehren? Nun, die Agenda 2010 ist soweit wie möglich durchgesetzt, jetzt kann Schröder wieder sozialdemokratisch agitieren. Damit trifft er auch das Herz der SPD-Basis, ganz im Gegensatz zu seinen vorherigen Reformen.

Und warum er zurückgetreten ist? Im Bundesrat hat die CDU die Mehrheit. Daran wird sich auch nichts mit dieser Wahl verändern. Jede Regierung ohne die CDU wird im Moment nichts in Deutschland bewegen können. Im Grunde ist die ganze Neuwahl eine sichere Ballübergabe in der beide Parteien so tun als wäre dies nicht der Fall. Deswegen wird Merkel Schröder auch nicht in dieser Richtung angreifen. Dass die SPD hingegen versucht, eine möglichst starke Position nach der Neuwahl zu gewinnen, ist legitim meiner Meinung nach.

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