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Familienpolitik a la CDU

Mein Hamburger Bürgerschaftskollege Marcus Weinberg mag ja vor Aufregung über die Familienpolitik ganz aus dem Häuschen sein - ich bin es auch, bloß aus ganz anderen Gründen. Der große "Coup" des Merkelschen Kompetenzteams ist nämlich ausgerechnet ein Mann, der es mit dem Papst in punkto Frauenfeindlichkeit und Biologismus ganz hervorragend aufnehmen kann. Dazu mal mein aktuelles Lieblingszitat eines konservativen Spitzenpolitikers: Kirchof in der WamS vom 31.3.02 "...Die Mutter macht in ihrer Familie Karriere, die nicht Macht, sondern Freundschaft verheißt, nicht Geld, sondern Glück bringt. Ihr Beruf als Familienmanager fordert - jenseits des zweiten, des eher handwerklichen Auftrags - stetige Präsenz, einen Raum der Bedingungslosigkeit und des Humanum, eine Intimität als Grundmuster der Familie, ohne die eine Frau zwischenmenschliche Beziehungen nicht gestalten, Menschlichkeit nicht schenken kann..."

Da wünsche ich Herrn Kirchof doch ganz unchristlich eine Wiedergeburt als Nur-Hausfrau, die nach 20 Jahren Ehe von ihrem Mann geschieden wird - und zwar in einer neoliberal gestalteten Zukunft Deutschlands. Also ohne Grundsicherung etc. Und mir persönlich wünsche ich, dass ich nie erleben muss, dass im 21. Jahrhundert solche alten Männer in die Regierung berufen werden - vielleicht sogar von einer geschiedenen, kinderlosen Kanzlerin...
TC Stahl - 17. Aug, 14:41

Frauen an den Herd !

Männer vereinigt euch! Die Ketten können nicht kurz genug sein! ;)

Aber im ernst: Mit dieser Auffassung passt Herr Kirchof doch bestens in die CDU/CSU. Solche Ansichten kennen wir spätestens von unserem allseits verehrten Stoibie.

Das ganze macht ja auch Sinn: Stellen Sie sich vor, Stoiber müsste auch noch an den Haushalt denken. Dann vergäße er auch noch, wo und wann er ist, und hielte sich für den König aller Schlauen, die gegen das dunkle Heer der Frustrierten in den Kampf ziehen.
Wobei wir dabei nicht viel zu befürchten hätten. Kurz vor der Schlacht würde der König Bayerns vorschlagen, den Kampf doch lieber mit einer "Mensch-ärger-dich-nicht"-Partie auszufechten.

Nickelklaus - 17. Aug, 15:20

Kritik an Paul Kirchhof vollkommen absurd

Berlin (Reuters) - Der Finanzexperte im Wahlkampfteam der Union, Paul Kirchhof, hat die Pläne von CDU und CSU zur Entlastung von Familien als unzureichend kritisiert.

"Die Familienleistung muss als die wichtigste in dieser Leistungsgesellschaft anerkannt werden", forderte der parteilose Steuerrechtler vor der Präsentation des Wahlkampfteams von Unions-Kanzlerkandidatin Angela Merkel am Mittwoch in einem Interview des Magazins "stern". Zusätzlich zur bereits geplanten Erhöhung des Steuerfreibetrags für jedes Kind müsse die Union auch das Kindergeld erhöhen...

Reuters:
http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2005-08-17T095444Z_01_DEO735669_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-WAHL-UNION-ZF-20050817.xml
---------------------
Kirchhof eine unsoziale Steuerreform vorzuwerfen ist überhaupt nicht nachvollziehbar. Er ist seit Jahren dafür bekannt, gerade die soziale Komponente für Familien zu fördern.
Wahrscheinlich haben sich die Kritiker mit Kirchhofs Steuerreform überhaupt noch nicht eingehend beschäftigt.
Da wird wieder so ein Quatsch aus parteitaktischen Gründen der Öffentlichkeit verzapft, was nicht stimmt.
Es strömt nur so vor Provokation zu Selbstmitleid
Fazit:
Selbstmitleid ist Zeitverschwendung

Nickelklaus
http://reformen.isthier.de

Reuters:
http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=topNews&storyID=2005-08-17T095444Z_01_DEO735669_RTRDEOC_0_DEUTSCHLAND-WAHL-UNION-ZF-20050817.xml

Lesen Sie auch den neuen Kommentar dazu von Oswald Metzger, dem tapferen Grünen im Focusblog:

http://blog.focus.msn.de/metzger/archives/44/trackback/

@ndre@s (Gast) - 17. Aug, 15:42

weia!

verstanden haben sie herrn kirchhofs text ganz offenbar nicht mal ansatzweise, frau husen. wo sie da frauenfeindlichkeit herauslesen, müßten sie schon mal genau erklären.
am besten, nachdem sie mindestens den letzten satz ihres eintrags gelöscht haben. was die alten männer, geschieden und kinderlos betrifft, sollten sie nämlich vielleicht erstmal einen blick auf ihre bundesregierung werfen. da finden sie dann im vergleich zum "alten mann" kirchhof (*1943) neben jungspunden wie den herren schröder (*1944) und fischer (*1948) die herren eichel (*1941), struck (*1943), clement (*1940), stolpe (*1936) und schily (*1932) oder auch die damen schmidt (*1943) und wieczorek-zeul (*1942). aber sicher meinten sie mit "alt" das innere, gell?! und wenn ich im gegensatz zu ihnen nicht völlig irre, wäre das mit einem beziehungsweise einer geschiedenen und kinderlosen regierungschef(in) auch nicht das erste mal.

katja.husen - 17. Aug, 16:32

Fachpolitik vs. Allgemeinpolitik

Ach herrje, da fühlen sich die Kirchof-Fans auf den Schlips getreten. Und werfen mir vor, ich hätte den Kirchof-Text nicht genau gelesen. Whatever.

Tatsache ist, dass Kirchof ja vielleicht als Steuerfachmann ins Kompetenzteam berufen wurde - eben aber auch ein Mensch ist, der sich auch zu Familienpolitik im Allgemeinen geäußert hat; wie beispielsweise in der WamS. Nun kann man ja der Meinung sein, dass man sich von PolitikerInnen immer nur das durchlesen muss, für das sie als ausgewiesen kompetent gelten. Ich bin dieser Meinung nicht. Ich beurteile Menschen danach, wie sie sich insgesamt (politisch) äußern. Und da ist mir Herr Kirchof eben als extrem Konservativer und Biologist aufgefallen.

Und selbst wenn seine Steuerpolitik nicht per se familienfeindlich ist, weil Menschen tolle hohe Steuerfreibeträge für Kinder bekommen (die zu nutzen, mann überhaupt erstmal Steuern zahlen muss...) und tolle hohe Rentenanrechnungen für Kinder (die dann von den Vätern der Kinder als Steuer erbracht werden müssen) - frauenfeindlich sind sie in Kirchofs eigenem familienpolitisch aufgemachten Kontext allemal. Wie nämlich sieht eine Kirchof'sche Gesellschaft aus? Die Männer sind vollzeit berufstätig, zahlen Steuern und haben Ehefrauen und Kinder. Diese Ehefrauen und Kinder beschäftigen sich den ganzen Tag mit sich selbst, weil Papi ja arbeiten muss. Die Mütter sind auf Gedeih und Verderb an ihre Ehemänner oder eine hohe Kinderzahl gebunden. Eine Frau, die beispielsweise nur ein Kind hat und dafür jahrelang zuhause bleibt, kann auch nach Kirchof schlecht eine hohe Rente bekommen - weil wieviel soll denn dann bitte schön eine sechsfache Mutter kriegen? Trennt sich ihr Mann von ihr, weil er bspw. eine Jüngere hat (soll ja bei Politikern vorkommen, auch bei rot-grünen), so bleibt dieser Hausfrau und 1-Kind-Mutter: Gar nichts. Während Ihr Ex-Gatte sich mit einer neuen Ehefrau (Ehe muss sein) armrechnet und leider, leider nicht mal Alimente zahlen kann. So ein Pech - für die Frau. Aber Kirchof will ihr ja nach 16 Jahre Elternpause einen Job verschaffen. Wer's glaubt, wird selig.

Und dann der Satz, eine Frau könne "Menschlichkeit nicht schenken", wenn sie als "Familienmanagerin" nicht "stetige Präsenz, einen Raum der Bedingungslosigkeit und des Humanum, eine Intimität als Grundmuster der Familie" erbracht hat - bei so einem frauenfeindlichen Kram soll ich mich als Frau (!) auf seine ach so neutralen Steuerkonzepte konzentrieren? Das hätten Sie wohl gerne!

Und zuguterletzt: Ich mache selber Politik, weil ich mich gerne von jungen Frauen vertreten sehe, erst recht, wenn sie meiner Meinung sind. Und wenn es denn schon ein alter Mann sein muss, dann bitte keiner, der mir vorschreiben will, von wem ich mich in Abhängigkeit zu begeben habe, um eine echte Mutter, Frau, Tochter oder was auch immer zu sein.

Der letzte Satz sollte auf Differenzen zwischen Kirchofs Frauenbild und Merkels Lebensstil aufmerksam machen. Nicht *meine* Differenzen mit Merkels Lebensstil, die ich nicht habe in Bezug auf ihre Kinderlosigkeit und ihre Scheidung.
Dass Herr Kirchof geschieden ist, habe ich übrigens nicht gewusst und auch nicht behauptet. Es wäre mir (im Gegensatz zu Benedikt XVI, formerly known as Ratzinger, und @ndre@s) auch total egal.

@ndre@s (Gast) - 17. Aug, 17:05

?

was ist denn nun kaputt? habe ich geäußert, daß für mich der familienstand irgendeiner der genannten personen von übergroßer bedeutung wäre? und wo habe ich was geschrieben, daß herr kirchhof geschieden sei? es ist wohl eher das gegenteil der fall: "Der Katholik ist seit 1968 verheiratet und hat vier Kinder."
katja.husen - 17. Aug, 17:23

@ andreas

OK, dann haben wir wohl gegenseitig unterstellt, für den anderen wäre der Familienstand von Bedeutung. Und mit "Alter" meinte ich tatsächlich nicht das innere, sondern das in den meisten Fällen sowieso korrelierende äußere. Auch wenn Menschen jenseits der 60 das oft gaaanz anders sehen. Wovon ich die Grünen auch bestimmt nicht ausnehmen will.
An der inhaltlichen Diffenrenz ändert das aber nichts, soweit ich sehen kann.
zaphodb (Gast) - 17. Aug, 17:50

Auch für Männer hat Herr Kirchhof eine wunderbare Rolle zu bieten (aus dem selben Welt-Beitrag):

"Seine eigene Vatertugend wird vor allem von der klassischen Erfahrung bestimmt, dass es die Aufgabe der Einflussreichen ist, die ihnen Anvertrauten zu schützen. Der Vater findet seine Identität, wenn er die ökonomischen Grundlagen der Familie beschafft und die Kinder in ihrer Zugehörigkeit zu Familie, Staat, marktwirtschaftlicher Ordnung, Kulturgemeinschaft und Kirche erzieht."

Das war in Europa zuletzt ca. 1890 richtig und gilt heute wohl nur noch in Saudi-Arabien, wenn wir mal "Kirche" ganz wohlwollend religionsübergreifend verstehen mögen.

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