In
meinem Weblog wurde ich kürzlich gefragt, ob ich dort denn auch meine medienpolitischen Positionen vorstellen wolle. Eine Meldung der
Deutschen Presseagentur (dpa), die gestern über den Ticker lief, bringt mich dazu, ein erstes - für die meisten von uns sicherlich auch wichtiges - Thema darzustellen.
Demnach wies das Verwaltungsgericht Frankfurt eine Klage von
Aldi Süd gegen einen Gebührenbescheid des
Hessischen Rundfunks ab. Letzterer will allen Ernstes für die Fernsehgeräte, die verpackt (und meistens offenbar recht günstig) in den Aldi-Märkten zum Verkauf angeboten werden, Rundfunkgebühren einfordern.
Das Verwaltungsgericht stellt doch tatsächlich eine Gebührenpflicht fest, schließlich würden die Fernsehgeräte "zum Rundfunkempfang bereitgehalten". Gemäß Rundfunkstaatsvertrag bedeutet das: die Gebühr wird fällig. Der Umstand, daß die Geräte in Kartons verpackt sind und laut Aldi nicht einmal ausgepackt werden, fällt dabei nicht ins Gewicht.
Diese Schelmerei offenbart gleich zwei grundsätzliche Probleme: erstens eine völlig weltfremde Betrachtungsweise beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und auch beim Gericht. Sie läßt sich ohne weiteres auf die aktuelle politische Landschaft in Deutschend übertragen: es scheint wichtiger zu sein, daß Aldi für verpackte Fernsehgeräte Gebühren bezahlt, als daß der Discounter weiterhin sehr preisgünstig - ohne unnötige Gängelungen - am Markt agieren und so gute Arbeit machen und schaffen kann.
Zweitens demonstriert sie wieder einmal die fehlende Transparenz und Klarheit im System der öffentlich-rechtlichen Rundfunkfinanzierung. Die Koppelung an die "Bereithaltung zum Empfang" eines "Rundfunkempfangsgerätes" (das zum Beispiel auch ein UMTS-Handy oder ein PC mit Internetanschluß sein kann) ist unzeitgemäß und diffus. Ich werbe deshalb seit langem für einen Systemwechsel von der Rundfunkgebühr zur Medienabgabe.
Eine allgemeine Medienabgabe, die von jedem volljährigen Bürger getragen wird, würde niedriger, gerechter und transparenter sein als die Rundfunkgebühr. Wir wollen die Beibehaltung des dualen Rundfunksystems, also soll es auch eine faire Finanzierung geben. Außerdem wäre die sehr kostspielige und bisweilen mit fragwürdigen Mitteln operierende
Gebühreneinzugszentrale überflüssig und könnte eingespart werden.
Was halten Sie von der Idee? Ihr
Hans-Joachim Otto